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Offener Brief

Offener Brief
Hamburg, im August 2014

In der Welt herrscht Krieg – in vielen Ländern. Die Situationen in der Ukraine, im Irak, in Syrien oder jüngst in Israel und Palästina erschüttern uns und wecken das Bedürfnis, mit anderen zusammenzustehen und gegen gewalttätige Auseinandersetzungen zu protestieren. Wir empfinden, dass vielerorts Kriegsrhetorik, Schuldzuweisungen, Machtstreben und Abwertung von Andersdenkenden den Ton bestimmen. Fassungslos hören wir jeden Tag von neuen Toten und Katastrophen.

Für uns als Christinnen wie auch für Gläubige anderer Religionen ist das gemeinsame Gebet oder die Meditation ein Weg, unsere Ängste und unsere Sehnsucht nach Frieden auszudrücken. Das interreligiöse Friedensgebet in Hamburg vor der blauen Moschee im Juli sprach uns aus dem Herzen. Menschen brauchen Orte, wo Trauer und Wut Ausdruck finden, wo Hoffnung in Gebet und Meditation Raum hat. Wir glauben, dass jetzt die Zeit ist, mit Friedensgebeten und Meditationen ein Zeichen zu setzen oder sich in Aktionen zu verbinden und damit auszudrücken: ES IST GENUG!

Meditation und Gebet sind wirksam, davon sind wir überzeugt.

Mit der Bergpredigt haben wir die beste Voraussetzung gegen Krieg und Gewaltspiralen die Friedensarbeit zu setzen und auf allen Ebenen unserer Gesellschaft zu stärken. Sie ist für uns die zentrale biblische Weisung, die herausfordernd deutlich macht,  welche innere Haltung zu Versöhnung und Frieden etwas beizutragen hat - und welche nicht.

Wir wissen, dass es Orte gibt, wo Menschen in Gemeinschaft – in ihrem Denken, Sehnen, Handeln und Hoffen - Wegen des  Friedens Raum verschaffen.

Wir regen an, in dieser brisanten Weltsituation weiter oder auch neu nach
Formen und Ausdrucksmöglichkeiten dafür zu suchen und schlagen vor:

• Im persönlichen Gebet oder in der Meditation für den Frieden zu bitten. In der christlichen Tradition gibt es zum Beispiel ein Innehalten um 12 Uhr mittags

• In einer Kirche, aber auch im öffentlichen Raum (z.B. vor der Kirche / in der Fußgängerzone) gemeinsam mit anderen für den Frieden zu beten, zu meditieren oder zum Beispiel durch Mahnwachen Zeichen für Frieden zu setzen

• Wenn Sie Kirchenglocken zur Verfügung haben, läuten Sie sie um 12 Uhr und weisen Sie im Gemeindebrief oder in lokalen Zeitungen neu darauf hin, dass es ein Friedensläuten ist

• Bereiten Sie gemeinsam mit Angehörigen anderer Religionen und christlicher Kirchen Friedensgebete vor

• Finden Sie sich zusammen, um im Austausch neue  Perspektiven von Konfliktlösungen zu entwickeln und so Friedensarbeit zu stärken

• Es ist Sommer. Machen Sie Open-Air Kino und reden Sie anschließend über die Filme. Eine Liste von geeigneten Filmen und Hinweise darauf, was zu beachten ist, finden Sie unter www.oemf.nordkirche.de

• Machen Sie zusammen Musik, veranstalten Sie Lesungen, machen Sie Ausstellungen …

• Wenn die Kraft nicht da ist, selbst etwas zu organisieren, können Sie sich einer schon vorhandenen Aktivität oder einem Friedensgebet anschließen. Zum Beispiel stehen die Frauen in Schwarz jeden ersten Mittwoch im Monat von 16.30 -17.30 Uhr am Ida Ehre Platz in der Mönckebergstraße in Hamburg

Wir stellen auf der Website des Referates Friedensbildung der Nordkirche Orte, an denen Friedensgebete stattfinden, sowie Aktivitäten und Anregungen zusammen und bitten Sie, uns bei der Vernetzung zu unterstützen. Schreiben Sie uns, was Sie vorhaben bzw. was Sie tun und wo sich Menschen anschließen können an:
wiebke.hemsing[at]oemf.nordkirche[dot]de.

Von diesen kirchlichen Friedensaktivitäten wissen wir schon jetzt:
Bitte schauen Sie auf die Website des Referates Friedensbildung www.oemf.nordkirche.de

Wenn Sie weitere Ideen haben, melden Sie sich.

Unten finden Sie zwei Vorschläge für ein Friedensgebet bzw. eine Friedensmeditation.

Ihre
Julika Koch (Referat Friedensbildung, Nordkirche)
Annekatrin Hennenhofer (Projekt Spiritualität, Kirchenkreis Hamburg-Ost)
Frauke Niejahr (Seelsorge im Alter, Kirchenkreis Hamburg-Ost)
Jutta Gross-Ricker (Pröpstin i. R.)

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Da wir vier Verfasserinnen den "Offenen Brief" zu ganz unterschiedlichen Menschen in der Kirche und in unseren Arbeitsfeldern versandt haben, finden Sie hier auch zwei unterschiedliche Anregungen für eine einfache Friedensmeditation bzw. ein Friedensgebet:

Vorschlag für eine Friedensmeditation (ca. 20 min)
(alle Teile können durch andere Texte oder Worte ersetzt oder ergänzt werden)

In der Welt herrscht Krieg – in vielen Ländern. Die Gewalt eskaliert. Wir wissen, Gewalt erzeugt Gegengewalt. Es ist genug!

Die frühere Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter schreibt in der Evangelischen Zeitung vom 3. August: „Gottes Absicht mit dieser Welt ist eindeutig. Es soll Frieden sein. Shalom! Jesus stellt in der Bergpredigt die Wegweiser zum Frieden auf: Nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, barmherzig leben, Versöhnung einüben; Salz der Erde sein, die Feinde lieben, gewaltlos leben, in gerechten Beziehungen zu Gott und den Menschen- und zu den Geschöpfen.“

In dieser Friedensmeditation halten wir inne und geben unserer Sehnsucht nach Frieden Raum: im Wechsel von Singen, Stille, Text und Gebet.
Wir richten uns - in unserem Herzen und in unserem Handeln - auf Gott, Quelle des Friedens, aus.

Lied:

Im übersättigten
Hungerjahrhundert
kaue ich die Legende Frieden
Und werde nicht satt

Kann nicht verdauen
die Kriege sie liegen
mir wie Steine im Magen
Grabsteine

Der Frieden
liegt mir am Herzen
ich kaue
das wiederholte Wort
und werde nicht
satt
Rose Ausländer

Kurze Stille (1 min)

 

Hinführung

Im Sinne der Bergpredigt dürfen wir auf die Friedenskraft, die von Gott, dem Geheimnis des Lebens ausgeht, hoffen und sie durch unser Handeln mitgestalten.

In der Stille wollen wir uns auf diese Kraft ausrichten, ihr unsere Klage anvertrauen und auf ihre Wirkmacht vertrauen.
Dem Wunder leise, wie einem Vogel die Hand hinhalten.


Klang der Klangschale (kann auch ein Lied sein, das angestimmt wird)

Stille ( 8 - 10 min)  (Sitzen oder Stehen möglich) 

Klang der Klangschale (kann auch ein Lied sein, das angestimmt wird)


Gebet
1. Möglichkeit:
Gott, du Quelle des Lebens
Du Atem unserer Sehnsucht
Du Urgrund allen Seins
segne uns
mit dem Licht deiner Gegenwart
das unsere Fragen durchglüht
und unseren Ängsten standhält.
Segne uns, damit wir ein Segen sind
und mit zärtlichen Händen
und einem hörenden Herzen
mit offenen Augen und mutigen Schritten
dem Frieden den Weg bereiten.
Segne uns
damit wir einander segnen
und stärken
und hoffen lehren
wider alle Hoffnung
weil du unserem Hoffen und unserem Handeln
Flügel schenkst.
Amen. So sei es.
So ist es.
nach Katja Süss


2. Möglichkeit:
Immer suchst
Du uns
gibst nicht auf
mit uns deinen Traum einer zärtlicheren Welt
zu träumen.
Ohne Unterbrechung
hältst du Ausschau
ob noch
ein Verständiger da ist
der dich sucht.
Wann begreifen wir
endlich, dass wir
Dir nicht dienen müssen
sondern es uns zutiefst dient
Deine Stimme
der Gerechtigkeit
in uns zu hören
und auf deine Anstiftung
zur Solidarität zu achten.
Suche uns weiterhin
alltäglich auf!
Pierre Stutz nach Psalm 14,2

Stille 2 min

An dieser Stelle kann gemeinsam das „Vater unser“ gesprochen werden

Segen:

Möge der, welcher bei Christen 'Unser Vater' genannt wird,
'Adonaj' bei Juden,
'Allah' bei Muslimen,
'Brahma' bei Hindus,
möge dieses allmächtige
und allwissende Wesen,
das wir als Gott anerkennen,
den Menschen den Frieden geben
und unsere Herzen in einer
geistigen Geschwisterschaft vereinen.
(Nach einem Gebet aus Indien) 

Gott segne und bewahre alle Menschen in ihrer Sehnsucht nach Frieden.

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Friedensgebet am Mittag
(alle Teile können durch andere Texte oder Worte ersetzt oder ergänzt werden)

Liturg_in
Ich begrüße sie …..

Kerze anzünden

Liturg_in
Wir halten inne mitten am Tag.
Wir unterbrechen unsere Arbeit,
Wir unterbrechen unser Denken
Wir unterbrechen uns selbst.
Wir atmen tief durch.

  PAUSE

Wir feiern diese Andacht
im Namen Gottes,
der wie eine Mutter und ein Vater für uns sorgt, weil er uns liebt,
im Namen Jesu Christi,
der diese Liebe unter uns hat Gestalt werden lassen durch den Tod hindurch
in der Kraft des Heiligen Geistes,
die unserem Denken, Fühlen und Wollen Lebendigkeit und Weisheit geben möge.
Amen.
(aus der Liturgie der Gebete im Ökumenischen Forum HafenCity Hamburg)

Biblische Lesung (Tageslosung, Texte aus der Sammlung:
www.oemf.nordkirche.de)

Stille (ca. 3 Minuten, Glocke oder Klangschale zu Beginn und Ende)

Eine Variante ist, das Friedensgebet  ohne Biblische Lesung und/ oder ohne Stille durchzuführen.
Dann geht es nach dem „Amen“ weiter mit „Wir stimmen ein …“

Liturg_in
Wir stimmen ein mit allen, die um den Frieden in der Welt beten:

Lied, z.B.
Verleih’ uns Frieden gnädiglich, Evangelisches Gesangbuch 421
Oder ein anderes, z.B.
Dona nobis pacem, Evangelisches Gesangbuch 435

Liturg_in (Klage und Fürbitte)
Frieden in uns, Frieden in der Welt
das ist unser Wunsch
wir sehnen uns danach.

So viel Unfriede ist in uns, so viel Elend und Krieg ist in der Welt
wir klagen vor Dir, Gott,
höre uns.

Wir halten Fürbitte für Menschen und Ereignisse, die unser Gebet brauchen, in der Stille oder – wer mag – auch ausgesprochen. Dazwischen singen wir „Kyrie eleison“

Stille (3-5 Minuten)

Wir bitten um Erkenntnis und Geduld,
wir bitten um alles, was hilft, dass Konfliktparteien wieder miteinander sprechen, direkt oder indirekt
wir bitten für alle Verhandlungen, von denen wir nicht hören, weil sie den Schutz des Schweigens brauchen, damit sie gelingen.
Und wir bitten für uns und beten im Wechsel.

(Liturg_in: I, Alle: II)

I O Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
II dass ich Liebe übe, wo man sich hasst,
I dass ich verzeihe, wo man sich beleidigt,
II dass ich verbinde, da wo Streit ist,
I dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum herrscht,
II dass ich den Glauben bringe, wo Zweifel drückt,
I dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält,
II dass ich ein Licht anzünde, wo Finsternis regiert,
I dass ich Freude bringe, wo Kummer wohnt.
II Ach Herr, lass mich trachten, nicht, dass ich getröstet werde,
sondern dass ich tröste,
I nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe,
II nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
I Denn wer hingibt, der empfängt,
II wer sich selbst vergisst, der findet,
I wer verzeiht, dem wird verziehen,
II und wer da stirbt
der erwacht zum ewigen Leben.
I + II Amen.

(Franziskus von Assisi zugeschrieben, entstanden unter französischen Franziskanern, veröffentlicht in „Souvenir Normand“ um 1913)

Liturg_in
Wir fassen unsere Bitten zusammen in dem Gebet, das Jesus uns gegeben hat.
Wir stehen dazu auf.

Vater unser im Himmel …

Liturg_in (Segen)
So spricht Gott zu dir:
Du bist gesegnet.
Ich gebe dir meinen Geist.
Ich mache dich stark,
zu wirken und zu lieben.

Geh und tu, was die Liebe dir zeigt.
Ich bin bei dir.

Es segne und behüte uns
der allmächtige und barmherzige Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.
(aus der Liturgie der Gebete im Ökumenischen Forum HafenCity Hamburg)

ggf. Musikalischer Ausklang / Lied

(Hier der Offene Brief und die Beispiele für Friedensandachten zum Download)